• Preisträgerfilm 2024:
    "TATAMI"

    Regie: Guy Nattiv & Zar Amir Ebrahimi

     

    Begründung der Jury:
    „Tatami“ erzählt die Geschichte zweier Frauen, die

    Entscheidungen treffen müssen, die nicht nur ihr eigenes Leben grundlegendverändern. In fast archaisch anmutenden Schwarz-Weiß-Bildern wird ihr Ringen
    mitreißend erzählt. Wir erleben, wie sich aus einem anfangs reinen Sportwettkampf für die erste mögliche Goldmedaille im Judo für den Iran ein innerer und äußerer Kampf entwickelt: Der Wunsch nach Selbstentfaltung trifft
    auf die immer härteren Repressionen eines diktatorischen Regimes. Mit aller Macht soll der iranischen Sportlerin Leila Hosseini und ihrer Trainerin Maryam der Wille der Diktatur aufgezwungen werden, nämlich aufzugeben, um eine mögliche Niederlage für das Land zu verhindern. Dabei wird schließlich vor Verfolgung, Inhaftierung und Folter von Familienangehörigen nicht Halt gemacht.

     

    Am Ende entscheiden sich beide Frauen für die Freiheit, füreinen selbstbestimmten Lebensweg.

     

    Der Film eines israelisch-iranischen Regie-Duos reißt diegesellschaftlich-politische Wahrnehmung in den persönlichen Verzweiflungen auf. Der Film des israelisch-iranischen Regie-Duos Guy Nattiv und Zar Amir Ebrahimi
    verschweigt aber auch die Kosten dieser Entscheidung nicht: das Exil für Leila und ihre Trainerin Maryam, die Flucht von Ehemann und Sohn der Judoka aus dem Iran, das ungewisse Schicksal der Eltern der Sportlerin und der Mutter der Trainerin.

     

    Die Jury erkennt „Tatami“ den Fritz-Gerlich-Filmpreis 2024 zu, weil er in bewegender, stets glaubhafter und mitreißender Weise zentrale Gedanken aus Leben und Werk von Fritz Gerlich aufgreift: Den Widerstand gegen diktatorische Regime, das innere Ringen, das zu Entscheidungen führt, die mit harten Konsequenzen verbunden sind. Rückgrat zu beweisen, die persönliche Freiheit zu erkämpfen, der Gewalt und der Lüge zu widerstehen, die Opfer, die
    damit verbunden sind – diese Motive verbinden Fritz Gerlich und den Film „Tatami“ über die Zeiten und die Kulturen hinweg in beeindruckender Weise.

    In den letzten Jahren sind folgende Filme und Filmemacher*innen
    mit dem Fritz-Gerlich-Preis ausgezeichnet worden:

    Preisträgerfilm 2023:
    "UNRULY"

    Regie: Malou Reymann

     

    Begründung der Jury:

    Der Film „Unruly“ scheint uns in eine schon weiter zurückliegende Vergangenheit zu führen, in der junge Frauen, die aus der Sicht der Gesellschaft in irgendeiner Weise nicht angepasst waren, in den 1930er-Jahren zwangsweise auf eine dänische Insel gebracht wurden, um dort zu lernen, sich anzupassen. Dieser Zugriff des Systems auf die Frauen macht dabei aber noch nicht halt, sondern gehtschließlich bis zur Zwangssterilisation, um zu verhindern, dass diese Frauen ihr Leben, ihre Gene weitergeben. Was zunächst wie ein Blick in eine fernere Vergangenheit erscheint, erweist sich als hochaktuell: Die Einrichtung, in der dieser Film spielt, wurde erst in den 60er-Jahren geschlossen, noch bis vor wenigen Jahren wurden in verschiedenen europäischen Ländern Zwangssterilisationen an behinderten Menschen „legal“ durchgeführt.

     

    „Unruly“ führt eindringlich vor Augen, wohin ein Menschenbild führt, das ausschließlich auf Optimierung und technische Machbarkeit fokussiert ist. An diesem sehr eindringlich inszenierten Beispiel lassen sich auch Fragen unserer Zeit reflektieren: Was dient dem Menschen wirklich? Wie gehen wir mit Menschen um, die außerhalb einer Norm sind? Wie können Menschenrechte im Zeitalter von KI und starken technizistischen Strömungen geschützt werden?

    Die Erinnerung, die dieses starke Film-Drama vor Augen führt, schafft ein Bewusstsein für unsere heutige Zeit.

     

    „Unruly“ überzeugt mit eindrucksvoller Bildgestaltung, starker Fokussierung auf die Insel als zentralem Ort der Handlung, auf den Punkt reduzierten Dialogen undzwei Hauptprotagonistinnen (Sørine und Maren), die uns in sehr authentischer Weise erleben lassen, wie Menschen in einem solchen totalitären System der Unterdrückung reagieren können – durch Anpassung oder Protest. „Unruly“ zeigt,wie stark die Kräfte eines solchen Systems sind, das auch die Opfer selbst benutzt, um sich zu stabilisieren, das Protest gnadenlos unterdrückt bis zur Vernichtung des Menschen.

     

    „Unruly“ zeigt aber auch, dass es Hoffnung geben kann, dass Menschen selbst in einem solchen System die Kraft finden können, für ihr großes Ziel unendlich viel auf sich zu nehmen. Wenn am Ende Sørine nach vielen Jahren ihre Tochter Ellen wiedersieht und mit ihr vorsichtig in ein neues gemeinsames Leben geht, sind die Spuren der Gewalt des Systems nicht getilgt, den unzähligen Opfern ist damit noch keine Gerechtigkeit widerfahren. Es ist der Film selbst, der ihnen ein Denkmal setzt, der durch die Erinnerung warnt und mahnt. Er ist geradezu ein Appell, Dinge niemals hinzunehmen, wenn der eigene Gerechtigkeitssinn dies verlangt.

    Auch wurden Fragen der Moral behandelt, der sexuellen Befreiung der Frauen, die ihnen lange verwehrt war. Auch das findet sich noch heute in der Mitte unserer Gesellschaft.

    Preisträgerfilm 2022:

    "NICHT GANZ KOSCHER"

    Buch & Regie: Stefan Sarazin, Peter Keller

    Abenteuerreiche und zugleich ungewöhnliche Culture-Clash-Buddy-Komödie mitten im Heiligen Land

     

    Drei Religionen. Zwei Männer. Eine Mission. In die Wüste geschickt hat sich Ben glatt selbst. Um den Verkupplungsversuchen seiner Familie in Jerusalem zu entgehen, bietet er sich kurzerhand an, nach Alexandria zu fliegen, um die einst größte jüdische Gemeinde der Welt zu retten. Der fehlt nämlich dringend der 10. Mann, um das Pessachfest zu begehen. Nachdem Ben zuerst das Flugzeug verpasst und dann auch noch in der Wüste Sinai aus dem Bus fliegt, wird Adel, ein mürrischer Beduine auf der Suche nach seinem entlaufenen Kamel, zu Bens letzter Hoffnung. Vorwärts geht es für beide Männer nur gemeinsam, aber wie vereint man ultraorthodoxe Religionspraktiken aus Brooklyn mit Beduinen-Pragmatismus aus der tiefsten Wüste? Als auch noch das Auto den Geist aufgibt, geht es bald nicht mehr nur ums gemeinsame Essen, sondern ums nackte Überleben.

     

    Begründung der Jury:

    Das Entstehen einer tiefen Freundschaft über alle Gegensätze und Unterschiede hinweg, der durch die gemeinsame Reise möglich gewordene Durchbruch zu tiefster Humanität und Großherzigkeit, die uns „Nicht ganz koscher (No Name Restaurant) – Eine göttliche Komödie“ miterleben lässt, machen diesen Film aus Sicht der Jury zu einem würdigen Preisträger.“

    Preisträgerfilm 2021: "TOPSIDE"

    Regie: Celine Held, Logan George

    Mutter und Tochter auf einer unfreiwilligen Odyssee durch ein feindseliges New York – spektakulär inszeniert und eindringlich gespielt, insbesondere von der achtjährigen Zhaila Farmer.

     

    Nikki und ihre fünfjährige Tochter Little leben gemeinsam mit anderen Außenseiter*innen in den verlassenen Subway-Tunneln unter den Straßen New Yorks. Zusammen bilden sie dort eine zwar prekäre, aber zugleich von Solidarität geprägte Parallelgesellschaft. Die eingeschworene Community wirkt, so gut sie kann, gemeinschaftlich an Littles Erziehung mit. Doch als ihre Bleibe eines Nachts von den Behörden geräumt wird, sind Mutter und Tochter gezwungen, an die Oberfläche zu fliehen. Grelles Licht, ohrenbetäubender Lärm und ausbeuterische Beziehungen lassen die kalte Winternacht zu einem audiovisuell eindrücklichen Spießrutenlauf werden. Der Film nimmt dabei über weite Strecken die Perspektive der jungen Little ein. Die einfühlsame, ja beinahe fürsorgliche Inszenierung spendet den Figuren jene Würde und Geborgenheit, welche die feindselige Außenwelt ihnen zu verweigern scheint.

     

    Begründung der Jury:

    Würdig für die Verleihung des Fritz-Gerlich-Filmpreises ist aus Sicht der Jury „Topside“ deshalb, weil darin die Frage der Menschenwürde thematisiert wird durch die Darstellung der extremen gesellschaftlichen Schere, die die Figuren in fast ausweglose Situationen führt. Dabei zeigt sich die Bewahrung der Würde in der Darstellung der Mutter, das Erringen von Würde durch die Entscheidung der Mutter. Darin sehen wir eine Verwandtschaft zur Haltung von Fritz Gerlich: Auch in einer extremen, ausweglos erscheinenden Situation kann der Mensch in sich eine Entscheidung treffen, die über ihn selbst hinausweist und einem anderen einen Neuanfang, ein neues Leben ermöglicht.

    Preisträgerfilm 2019:
    "WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD'S ON FIRE"

    Regie: Roberto Minervini

    Begründung der Jury:

    Der Film führt uns in ein Land, das uns einerseits vertraut und sehr verbunden ist, andererseits plötzlich wieder fremd erscheint.

    Er fesselt den Zuschauer und irritiert ihn auf produktive Weise: Die Schwarz-Weiß-Bilder suggerieren zunächst den Blick in die Vergangenheit früherer, überwundener Rassenkonflikte und machen schon im nächsten Moment deutlich, dass das Gezeigte unmittelbare Gegenwart ist: Mitten in Amerika, aber auch mitten in unserer Gesellschaft.

    Die Eindringlichkeit, mit der der Film die Verletzlichkeit des Einzelnen, die Fragilität unseres Lebens und unserer Gesellschaft und die Bedrohung der Menschenwürde vor Augen führt, verdient nach Auffassung der Jury die Auszeichnung mit dem Fritz Gerlich Preis.

     

    Lobende Erwähnung 2019:
    "STERNE ÜBER UNS"

    Regie: Christina Ebelt

     

    Lobende Erwähnung der Jury:

    Wie eine ganze Existenz ins Rutschen gerät, alleine weil sie ihre Wohnung verliert, das erlebt die alleinerziehende Stewardess Melli unter den Augen ihres Sohnes Ben.
    In STERNE ÜBER UNS gelingt der Regisseurin Christina Ebelt ein berührendes und nachhaltiges Filmdebüt von einer großen ästhetischen Geschlossenheit und Kraft. In keiner Sekunde kippt das Drama, sondern erzählt in einer meisterlichen Konsequenz und Genauigkeit von einer großen Entscheidung und der Absurdität formaler Zwänge unseres Sozialsystems.

    Franziska Hartmann in der Hauptrolle trägt den Film mit einer Wucht und Glaubwürdigkeit, die einem in manchen Situationen fast den Atem nimmt.
    Christina Ebelt lenkt den Blick auf ein Schicksal, das sicher kein einzelnes ist in unserer Gesellschaft und lässt uns genauer hinsehen und verstehen.

    Das Ende ist nicht laut, eindringlich lässt es den Zuschauer mit einer mit großer Nachdenklichkeit zurück. Kamera, Farbe, Kostüme gestalten diesen Film eindrucksvoll - beiläufig und präzise die Nebenfiguren, kein falscher Ton an keiner Stelle.

     

    Preisträgerfilm 2018:
    "Of Fathers and Sons"

    Regie: Talal Derki

    Begründung der Jury:

    Talal Derki gelingt es mit "Of Fathers and Sons", Einblick in eine Welt und deren Lebensweise zu geben, die uns sonst verschlossen bleibt. Wie auch der Namensgeber des Fritz-Gerlich-Filmpreises, berichtet der Filmemacher unter Einsatz seines eigenen Lebens aus einem totalitären System. Geboren in Damaskus, studierte Talal Derki zunächst in Athen. Für "Of Fathers and Sons" kehrte er wieder in sein unsicheres Heimatland zurück. Aus einer unmittelbar subjektiven Perspektive dokumentiert er die Gewalt in dieser hermetischen Welt. Der besondere filmische und couragierte Zugriff von Talal Derki in "Of Fathers and Sons" verdient nach Auffassung der Jury die Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis 2018.

     

    Preisträgerfilm 2017:
    "Layla M."

    Regie: Mijke de Jong

    Begründung der Jury:
    „Layla M.“ ist vor dem Hintergrund der aktuellen, politischen und gesellschaftlichen Situation in Europa immens relevant. Ein mitreißend inszenierter und virtuos gespielter Beitrag zu dem schwierigen Thema Radikalisierung, bei dessen Diskurs meistens weitaus mehr verängstigte und wütende Fragen und gefährliche Allgemeinplätze aufgeworfen, als erhellende Antworten gegeben werden.

    Regisseurin Mijke de Jong versucht mit ihrem Film das Unbegreifliche begreifbarer zu machen. Ein nahezu unmögliches Unterfangen, das auf beeindruckende Weise gelingt.

    Dafür und für die Konsequenz, eine derartige Geschichte aus weiblicher Perspektive zu erzählen, zeichnet die Jury „Layla M.“ mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis 2017 aus.

    Preisträgerfilm 2017:
    "City of Ghosts"

    Regie: Matthew Heineman

    Begründung der Jury:
    Es ist der Verdienst von CITY OF GHOSTS, die Bedeutung von freiem und unabhängigem Journalismus zu thematisieren und einen Anstoß dafür zu geben, sich mit der Situation in Syrien intensiver auseinanderzusetzen.

     

    Regisseur Matthew Heineman ging es nach eigenen Worten auch darum in Zeiten, in denen Fake-News und Propaganda die mediale Oberhand zu gewinnen scheinen, ein ausdrückliches Plädoyer für die Notwendigkeit
    eines um Wahrheit bemühten Journalismus abzugeben.

    All das verdient nach Auffassung der Jury eine Auszeichnung mit dem Fritz-Gerlich-Filmpreis.

    Preisträgerfilm 2016:
    "Fannys Reise"

    Regie: Lola Doillon

    Drama. Frankreich/Belgien 2016

    Aus der Begründung der Jury:
    „Fannys Reise“ ist ein bewegendes historisches Drama, das emotional und spannend die Fluchtgeschichte einer Gruppe von jüdischen französischen Kindern im Jahr 1943 erzählt.

    Wenn die 13-jährige Fanny erzwungenermaßen die ganze Last der Verantwortung übernehmen muss, entwickelt der Film seine große emotionale Kraft und macht die Bedrohung nahezu physisch spürbar. Fanny übernimmt die Verantwortung für andere zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch viel zu jung für eine so große Aufgabe ist; stetig und rasch aber wächst sie über sich hinaus – bis sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um das noch im Niemandsland zurückgebliebene kleinste Kind der Gruppe zu retten.

     

    Glaubwürdig und empathisch spricht der Film damit zentrale Werte an: Mut, Solidarität, Überlebenswille, Über-sich-Hinauswachsen, den Einsatz für andere – Werte, die auch für die Kriterien des Fritz-Gerlich-Preises relevant sind.

    Preisträgerfilm 2015:
    "Den Menschen so fern"

    Regie: David Oelhoffen
    mit Viggo Mortensen und Reda Kateb

    Daru erhält 1954 in Algerien den Auftrag, den Mörder Mohamed in die nächste große Stadt zu bringen, wo dem Kriminellen der Prozess gemacht werden soll. Nach der Kurzgeschichte „Der Gast“ von Albert Camus erzählt LOIN DES HOMMES die abenteuerliche Reise zweier Männer durch die Wüste.

     

    Aus der Begründung der Jury:
    Der Film setzt ganz stark auf die visuelle Ausdruckskraft der Bilder, die grandios eingefangenen Landschaftspanoramen und die „sprechenden“ Gesichter der eindrucksvoll agierenden Darsteller Viggo Mortensen und Reda Kateb. Sparsame, aber inhaltlich präzise Dialoge verdichten die Situationen, in die die Figuren hineingeworfen und mit grundlegenden ethischen Fragen konfrontiert werden. Der Zuschauer ist aufgefordert, die Fragen auch auf aktuelle Konflikte zu beziehen. Das gelingt umso besser dank der gänzlich undidaktischen, klugen Inszenierung Oelhoffens, die DEN MENSCHEN SO FERN zu einem zeitlos modernen Film macht.

     

    Preisträgerfilm 2014:
    "A Thousand Times Goodnight"

    Regie: Erik Poppe

    Begründung der Jury:
    Die Jury verweist in ihrer Begründung auf den "Irrsinn" der Kriegsberichterstattung, der die Grenze zwischen moralisch-ethisch vertretbarer Dokumentation und Effekthascherei durch immer reißerischere Bilder nicht mehr kennt. Das von Erik Poppe inszenierte Drama Tausendmal gute Nacht überzeugte die Jury, weil es das Engagement für mehr Menschlichkeit mit publizistischen Mitteln und gleichzeitig das Dilemma beleuchtet, in das ein jeder gerät, der sich dem Kampf gegen das Unrecht verschreibt.

     

     

    Preisträgerfilm 2013:
    "Das Mädchen Wadjda"

    Regie: Haifaa Al Mansour

     

    Begründung der Jury:

    Die Jury lobt in Ihrer Begründung das Plädoyer des Films für eine sanfte Rebellion als wirkungsvoll und motivierend, sich als Zuschauer ein eigenes Urteil zu bilden. Der Film entfalte ein facettenreiches Bild vom Leben der Frauen in Saudi-Arabien, deren Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit zu bewegen und beruflich tätig zu sein, stark eingeschränkt sind, frei von Klischees. Die Hauptfigur Wadjda stehe für einen Weg, der nicht den Konflikt, sondern den Ausgleich sucht, nach Möglichkeiten, Freiheitsstreben und Traditionsverbundenheit zu vereinbaren. "Das Mädchen Wadjda“ sei nicht nur ein Plädoyer für Mut und Toleranz, sondern auch erfüllt vom Glauben der Regisseurin an das Kino und an seine Notwendigkeit: die eigene Welt im Spiegel eines Films zu sehen.

     

    Preisträgerfilm 2012:
    "Revision"

    Regie: Philipp Scheffner

     

    Begründung der Jury:
    Der Dokumentarfilm "Revision“ beweise, dass filmische Interventionen Sinn machen, indem er in Zeugenaussagen und Interviews mit den Familien der Opfer den 20 Jahre zurückliegenden Tötungsfall aufrollt, bei dem zwei rumänische Immigranten der Sinti und Roma im deutsch-polnischen Grenzgebiet erschossen wurden. Regisseur Philipp Scheffner gebe allen Betroffenen, Zeugen und Sachkundigen die Möglichkeit, ihre Aussagen anzuhören und diese zu überdenken. So unterwerfe er nicht nur den Fall selbst einer filmischen Revision, sondern auch das Medium Dokumentarfilm: Sein hoch reflektierter Umgang mit Bildern, Tönen und Zeugnissen gewinne an beklemmender Dichte und kreiert kunstvoll ein Mosaik aus Landschaften, Erinnerungen, Akten und „deutschen Zuständen“, die bis in unsere aktuelle Situation hinein virulent erscheinen.